Die 60'er JAhre

 

Gleich zu Beginn des Jahres 1960 konnten die Automobilhersteller einen neuen Produktionsrekord verzeichnen.

 

Nach seiner Privatisierung stand dem Wolfsburger VW-Werk am 1. August eine grundlegend verbesserte Version des VW-Käfers zur Verfügung, welches auch sogleich in den Autohandel gebracht wurde. Bei äußerlich unveränderter Karosserie wurde das Lieblingsauto der Deutschen mit einem vollständig neu konstruierten Motor ausgeliefert; dieser leistete jetzt bei unverändertem Hubraum (1200 cm3) mit 34 PS vier Pferdestärken mehr als seine Vorgängermodelle und die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h konnte von 40,5 sec auf 35,0 sec gesteigert werden.

 

 

Autofahren wird zur Selbstverständlichkeit

 

Der nun 115 km/h (vorher 110 km/h) schnelle Käfer erhielt außerdem einen neuen Vergaser mit automatischem Starter, asymmetrisches Abblendlicht, eine Scheibenwaschanlage und einen größeren Kofferraum. Die bisher charakteristischen Winker am Türholm wurden durch Blinker auf den Kotflügeln ersetzt.

 

Eine zukunftsweisende Karosserie brachten hingegen die Ford-Werke in Köln mit der Neuentwicklung des Ford 17 M (P 3) auf den Markt. Das sogleich als 'Badewanne' identifizierte Fahrzeug wurde nach ausgedehnten Windkanalversuchen in einer äußerst stromliniengünstigen Form konstruiert. Dies ermöglichte Fahrleistungen und geringerer Benzinverbrauch, begünstigt durch den Verzicht auf die modeüblichen Kotflügel und Zierleisten. Der 17 M von 1960 wurde somit zum Prototyp einer neuen Autogeneration.

 

Eine Statistik vom Oktober 1964 ergab schließlich, dass das Automobil immer mehr zu einem selbstverständlichen Bestandteil des alltäglichen Lebens wurde. Immer schneller rückte daher das Bedürfnis der Bürger nach einem großräumigen Familienwagen in den Vordergrund; die Automobilindustrie reagierte damit auf die Konzipierung von Kombis.

Ein anspruchsvoller Käuferkreis mit sportlichen Ambitionen wurde gleichzeitig von dem neuen 2000 CS von BMW angesprochen. Der Diplomat Coupé von Opel mit einer 230-PS-Maschine und der Mercedes 250 SE vereinten sportliche Akzente mit gediegener Repräsentativität. 

Als absoluter Renner auf dem Markt der Luxuskarossen erwies sich aber der im Herbst des Vorjahres vorgestellte Mercedes 600.

Trotz neuer Verkaufsrekorde deutete am Horizont bereits ein Nachlassen der in den Jahren zuvor überhitzten Konjunktur an. Dies bedeutete eine etwaige Unterauslastung der Kapazitäten sowie  Absatzeinbrüche. So kam es zu weiteren Rationalisierungen in der Produktion und zu Preissenkungen bei Klein- und Mittelklassewagen; außerdem wurde nach neuen Möglichkeiten in der Fahrzeug- und Karosserieoptimierung gesucht.

Ein Musterbeispiel für gelungene Leichtbauweise war schließlich der NSU Prinz mit einem Leistungsgewicht von 19,4 kg/PS - im Gegensatz zum Citroën 2 CV, der 'Ente', mit 34,7 kg/PS.

 

Im Konjunkturjahr 1969 wurden dennoch hingegen aller Erwartungen Spitzenrekorde im Fahrzeugverkauf erzielt; neue Ziele wurden also gesteckt, die für die Hersteller wegweisend sein sollten.

'Sicherheit, Abgasreinigung, stärkere Elektronik und Komfort', das waren nach Ansicht von VW-Chef Kurt Lotz die künftig bestimmenden Faktoren des Automobilbaus. Nach entsprechenden Forschungen an der Technischen Universität Berlin (West) im Auftrag des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA) wurden Sicherheitsgurte für alle Insassen sowie Kopfstützen und Knautschzonen an Wagenfront und -heck empfohlen.

 

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